Friday, October 07, 2005

Begegnete man sich noch vor gar nicht allzu langer Zeit spaßeshalber und vereinsmeiernd konkret zum gemeinsamen Kicken auf dem Bolzplatz oder meinetwegen zum gediegenen Tennis Match auf elitärer Asche, so nannte man die Dinge beim Namen. Heute dagegen verabreden Menschen sich zum Sport. Man tut was fürs Gewissen, gegen die Fettwucherungen. Nicht etwa wegen der Geselligkeit oder um dem natürlichen Spieltrieb nachzugeben, nein, sondern weil es jeder macht. Und jeder kann nicht völlig verkehrt liegen. Schließlich geht’s um solch hohe Güter wie Gesundheit, Schönheit, um den Schlüssel zum Fortbestand der eigenen Gene.
Nur wer phänotypisch was hermacht, hat gute Karten, wen aufzureißen. Das sagen uns tagein, tagaus zig Medienformate, mal unverblümt, laut, mit der werberischen Brechstange, anderntags dann eher leise, an Vernunft appellierend. Und glaub’ bloß nicht, du hättest auch nur die geringste Chance, dich diesem Kredo zu entziehen.
Gestern war’s dann soweit. Nach etlichen Anläufen und beinahe genauso vielen willkommenen Gründen, die ganze Sache wieder zu verschieben, traf dann auch ich mich mit einem Sportsfreund. Das Terrain war vorab verabredet, die Wahl der Waffen entsprechend fix getroffen. Um 21:00h standen wir uns also gegenüber. Helle Sohlen, gehüllt in Mikrofaser, ausgestattet mit Carbon-Werkzeugen, zwischen uns ein Netz auf Augenhöhe. Wir hatten uns auf Badminton verständigt.
Was die Trainingsrückstände betraf, standen wir uns in nichts nach. Das hielt uns jedoch nicht davon ab, alsbald den Ernst der Lage zu erkennen und dem inneren Schweinehund einen massiven Tritt in den Allerwertesten zu verpassen. Die Sache begann tatsächlich, Spaß zu machen, und zwar richtig. Wir gaben nicht viel, aber alles. Jeder Punkt ein Martyrium. Volle sechzig Minuten lang. Vergessen war der ganze Fitnesswahn. Sport hatte schlagartig etwas Echtes, Ehrliches bekommen, hatte sich den aalglatten Schönheitsikonen irgendwelcher Hochglanzmagazinen abgewandt. Sprichwörtlich und im höchsten Maße eigendynamisch. Wie die Tiere hechteten wir diesem heimtückischen Sportgerät hinterher, waren dabei viel zu oft viel zu langsam und nicht selten droschen wir Löcher anstatt satter Schmetterbälle in die uns umgebenden, schweißge-schwängerten Dunstglocken. Jeder mit Erfolg gekrönte Versuch, die ganze Kraft des Armschwungs in diesen Federball zu prügeln, war der innere Vorbeimarsch. Großartig! Sportsfreund ist nicht nachtragend und hat seine Niederlage mittlerweile echt gut verdaut. Er sieht die ganze Sache übrigens ähnlich und deshalb haben wir uns für nächste Woche wieder verabredet, nicht zum Sport, nein, sondern zum Badminton. Hat jemand Lust auf ein Doppel?