Thursday, October 20, 2005

Vielen meiner Freunde und Bekannten ist dieses Wort auch schon zu Ohren gekommen und sie stehen ihm ähnlich ratlos gegenüber wie ich. Jedes Mal muss ich unweigerlich an meine Großmutter denken, wenn ich es höre. Erst gestern wurde ich wieder damit konfrontiert und war gleichermaßen ratlos wie schockiert, denn ich habe weder eine blasse Ahnung, was genau mit „Übergangskleidung“ gemeint ist, noch führte mich meine Suche nach einer Jacke - irgendwo zwischen cool und gegen Kälte - in einen Store, der auch nur ansatzweise verdächtig gewesen wäre, Omas Outfit zu führen.
„Ich suche eine Jacke“, waren meine Widerworte auf die Frage einer jungen Lady, die mir ihre Hilfe anbot. Das Verkaufsgespräch hatte kaum begonnen, als es jäh zu scheitern drohte. Jetzt sei ja die Übergangszeit und die passenden Jacken dazu fände ich hinten rechts. Ich wollte dringend wieder gehen. Da war es wieder, dieses Wort. Keine Ahnung wieso, aber es löst leise Beklemmungen in mir aus. Es weckt Assoziationen an affenscheußliche Klamotten von irgendwelchen älteren Geschwistern oder anderen Verwandten, die es aufzutragen galt. Und die hatten keine Berührungspunkte mit meinen Ideen von hip.
Zurück zum Laden. Spontanität und Selbstverständlichkeit ihrer Worte ließen keinen andern Schluss zu. Die Verkäuferin meinte es ernst und Übergang musste irgendetwas mit Herbst zu tun haben.
Machte und macht die Sache auch nicht leichter, selbst wenn man versucht, das Wort mal ganz rational anzugehen. An welchen Flecken der Erde gibt’s überhaupt Übergange im thematischen Bekleidungsverbund und meint Übergang dort dasselbe, d.h. sind die Anforderungen an Übergangstextilien stets die gleichen? Vielleicht ist anderen Menschen, in anderen Landesteilen das Wort geläufig, aber die klimatischen Verhältnisse können doch jeweils total andere sein. Da wäre es doch viel bezeichnender, die Dinge beim Namen zu nennen, sich also über vor Nässe schützende oder über besonders wärmende Jacken zu unterhalten, als über Übergangsmode. Außerdem stelle ich genau jetzt, in der vermeintlichen Hochsaison der Übergangsbekleidung, fest, dass mir eher nach dicken Daunen als nach dünnem Denim ist, was vermutlich an meinem ganz persönlichen „Übergangs“-Empfinden liegt. Kommt nämlich noch erschwerend hinzu, dass z.B. Temperatur von Mensch zu Mensch unterschiedlich wahrgenommen wird. Bei all diesen Unwägbarkeiten ist es also eher wahrscheinlich, dass ein Verkaufsgespräch, dessen Gegenstand eine Übergangsjacke ist, länglich und nicht ohne Missverständnisse verlaufen wird. Nein, ich gehe noch einen Schritt weiter. Wer derart unsexy Wörter benutzt handelt grob fahrlässig und ist selbst schuld, wenn sie nichts verkauft.
Mir ist immer noch kalt.

4 Comments:

Anonymous Anonymous said...

ich finde deinen blog sehr cool, hat was

23/10/05 2:21 PM  
Anonymous Anonymous said...

ja nicht schlecht......Wo wohnst du denn????wie siehst du denn aus????

2/11/05 12:29 PM  
Anonymous Anonymous said...

die beiden Fragen sind doch jetzt nicht wirklich ernst gemeint, oder ;-)

3/11/05 3:25 AM  
Anonymous Anonymous said...

doch, liegt wohl an chads süßer nase

22/8/06 2:54 PM  

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