Wednesday, September 21, 2005

Lesen um seiner selbst willen, ein Buch als schnöden Zeitvertreib betrachten. Ist eine derartig banale Haltung überhaupt erlaubt? Soll nicht jeder Roman dem Anspruch gerecht werden, entweder sehr subtil oder mit dem Zeigefinger unverhohlen wedelnd, Handlungsanleitungen und somit Lebenshilfen zu liefern, dem Leser mal mindestens möglichst viele „Aha’s!“ zu entlocken? Die Beurteilung des Gelesenen ließe sich dann daran festmachen, wie viele Details der Leser in seinem Gedächtnis konserviert und mit welcher Halbwertszeit. Kann man so sehen, ich tue es nicht.
Letztlich befindet jeder Leser nach seinen Maßstäben. Er entscheidet, wie hoch seine Messlatte liegt, macht seinen Frieden mit jedem Buch stets aufs Neue. Es ist beinahe vermessen oder zumindest nicht unkritisch, Bewertungsformeln aufstellen zu wollen.
Mir geht es z.B. oft so, dass ich eine gelesene Geschichte schon nach ein paar Tagen beinahe vollständig verdrängt habe. Da kann es dann schon mal ein paar Seiten dauern, bis ich bei diesem oder jenem Buch merke, es mit einem 'alten Bekannten' zu tun zu haben.
Nein, das sagt nichts über das Buch aus. Ja, ich mich gerade der unzureichenden Lesekonzentration verdächtig. Aber Ehernwort: Mich trifft höchstens eine Teilschuld!
Denn schließlich setzt Erinnerung wieder ein. Ein Vorhang hebt sich ganz sacht. Das ist der Start zu meiner Kopfkinoreise und gleichermaßen der entscheidende Punkt: Aufgeschriebene Geschichten müssen Bilder erzeugen, Assoziationen wecken, Erinnerungen lebendig machen oder ein eigenes „Gesicht“ bekommen, indem sie eine Kollage aus alldem kreieren. Es ist eine Metamorphose. Buchstabenfolgen werden stumm dechiffriert und im selben Moment nehmen sie Gestalt an - irgendwo im Kopf. Lesen ist Fühlen. Wahrscheinlich ist dieser biochemische (?) Prozess ebenso messbar wie die Borstendichte eines gemeinen Pinsels, aber was interessiert mich das, wenn ich gerade dabei bin, in eine Geschichte einzutauchen und mich treiben zu lassen. Was in diesem Moment zählt und was auch darüber hinaus Bestand haben wird, sind mehrheitlich meine Bilder und nicht die Einzelheiten der Erzählung oder gar profane Namen.
Wenn erzählte Personen, Gefühle, Handlungen, Orte sich ihre Räume suchen, sie finden und sich darin breit machen, wieder verschwinden, um manchmal unverhofft aufzutauchen, dann habe ich es mit einem guten Buch zu tun. Übrigens begegne ich darin nicht selten alten Bekannten, aber dazu später mehr.

2 Comments:

Anonymous Anonymous said...

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