Tuesday, September 27, 2005

Es ist schon ein komisches Naturgesetz, dass Mensch stets das begehrt, was sich ihm am meisten entzieht bzw. ihm entzogen wird. Ein seit langer Zeit achtlos in der Ecke liegendes Kinderspielzeug, wird plötzlich zum heißen Kinderzimmerfavoriten, dem angeblich nur eine kurze Auszeit vergönnt war, um dann umso dichter ins kindliche Interessenzentrum zu rücken, sobald es bei der nächsten Entrümplungsaktion auf die Flohmarktliste gesetzt werden soll.
Hat ein Kerl eben noch seine Frau dorthin gewünscht, woher der Pfeffer kommt, ist das Geschrei groß, wenn sie ihm diesen Gefallen tut. Schon im nächsten Moment beginnt er nämlich reflexartig über den kalten Entzug der vielen Vorteile und der großartigen Qualitäten (in dieser Kombination und Anhäufung sonst höchstens bei überirdischen Wesen anzutreffen) zu wehklagen, die bislang scheinbar unter Ausschluss der Öffentlichkeit gelebt wurden und sich der Wahrnehmung aller gemeinsamer Bekannter und Freunde erfolgreich entzogen hatten.
Oder wie steht’s mit dem Phänomen, dass man sich einen lange gehegten Herzenswunsch erfüllt und dann auf einmal ins Wanken gerät, ob man sich nicht vielleicht doch besser diesen anderen Traum erfüllt hätte? Auch schräg.
Beiden Verhaltensmustern gemein ist, dass alles in bester Ordnung ist, solange die Illusion existiert und kontrollierbar scheint. Mit der vermeintlichen Option, jederzeit zugreifen und lenken zu können, ist alles im Lack. Rückt sie aber in ungreifbare Ferne oder erledigt sie sich qua Wahrhaftigkeit, fängt der Stress (von vorn) an. Unzufriedenheit kommt auf und lässt erst nach, sobald eine neue Phantasie, ein neues Begehren von einem Besitz ergriffen hat.
Mag der eine oder auch andere nun der Ansicht sein, dass Begehren der Motor für Veränderung und Fortkommen und somit alles zum Besten bestellt sei. Mensch ist nun mal unstet und wer rastet der rostet und voller Bauch studiert nicht gern und Stillstand ist Rückschritt und all solches Zeug. Ganz sicher ist da auch was Wahres dran, aber was ist dann mit der Unzufriedenheit und den vielen anderen Nuancen trübseliger Gemütszustände, die kein Mensch wirklich braucht? Sind sie die wahren Highlights, um die es geht. Fühl dich scheiße, weil nur so kommst du deinem nächsten Ziel ein Stück näher, dann geht’s dir gut und du kannst dich schon mal darauf vorfreuen, dich bald wieder scheiße zu fühlen? Weia. Und wo waren noch gleich die Grenzen von unendlich?

1 Comments:

Blogger Nikolaus Heger said...

Glueck ist nur im Augenblick, nur in der Gegenwart.
Das Problem mit dem Begehren oder Wollen ist dass die meisten nicht wissen was sie wollen. Man will also, dann hat man, und findet heraus dass man es eigentlich doch nicht wollte, drueckt sich dann vielleicht ein wenig herum indem man sich selbst ueberzeugt es gewollt zu haben und jetzt gluecklich zu sein.

Die Buddhisten sagen nur wer nicht will leidet nicht. Aber vielleicht wollen sie uns auch nur sagen dass man eben sobald man weiss was man will auch nicht mehr "will" sondern nur ist. Wollen geht im sein auf.

1/10/05 9:53 PM  

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